Schweizer Gründerpreis 2011

Die Solothurner W.A. de Vigier Stiftung hat die Jungunternehmen Abionic, GetYourGuide, Malcisbo , Skybotix und ViSSee mit dem Gründerpreis 2011 ausgezeichnet, der mit je 100 000 Franken dotiert ist. Alle Gewinner, wie auch alle Nominierten, konnten in der Vergangenheit von dem Startup-Programm Venturelab profitieren.

Mit Spannung verfolgten über 200 Unternehmerinnen und Unternehmer, Investoren und Förderer von Jungfirmen die diesjährige Preisverleihung der W.A. de Vigier Stiftung. Der 1989 erstmals verliehene Gründerpreis ist die höchstdotierte und bedeutendste Auszeichnung für Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer in der Schweiz. Die Firmengründer erhalten nicht nur jeweils 100 000 Franken à fonds perdu, sondern profitieren auch von der langfristigen Begleitung durch den Stiftungsrat, dessen Präsident der Basler Unternehmer Moritz Suter ist.

Hightech, Biotechnologie und Internet
Preisgekrönt wurden fünf Firmen. Mit dabei der ETH-Spin-off Malcisbo, der einen praxistauglichen Impfstoff gegen ein für Menschen schädliches Bakterium entwickelt, welches Masthühner befällt. Mit einem intelligenten Flugroboter überzeugte die Jungfirma Skybotix, eine weitere Spin-off-Firma der ETH Zürich. Ein Preis ging ins Tessin an die Jungfirma ViSSee, die mit ihrem Temposensor auf weltweites Interesse stösst. Auf Allergieschnelltests in Arztpraxen hat sich die Lausanner Jungfirma Abionic spezialisiert. Die fünfte preisgekrönte Firma ist GetYourGuide mit Sitz im Technopark Zürich. Über das Internetportal lassen sich Ausflüge aller Art buchen. Die Firma agiert bereits erfolgreich im Markt und beschäftigt schon 30 Mitarbeitende. Auffallend: alle ausgezeichneten Startups haben das Startup-Programm der KTI durchlaufen, in die sie ihre Geschäftsideen weiterentwickeln konnten und viel Know-how aus der Praxis sammeln konnten.

Gründerpreis ab sofort auch für Nicht-Schweizer offen
An der Preisverleihung wartete Stiftungsratspräsident Moritz Suter mit einigen Neuerungen auf. So ist der Gründerpreis künftig nicht mehr nur Schweizer Bürgern vorbehalten. Auch Kandidatinnen und Kandidaten mit einem ausländischen Pass, aber einem Wohnsitz in der Schweiz und einer schweizerischen Firma, können sich bewerben. Zudem wird die Altersgrenze von 45 Jahren in Zukunft weniger strikte gehandhabt. Bei der Preisverleihung vergab die Stiftung zudem das zweite Mal den Titel «Jungunternehmerförderer des Jahres». Preisträger 2011 ist der Zürcher Thomas von Waldkirch. Der Präsident der Stiftung Technopark Zürich hat die Idee der Brutstätten für Jungfirmen in der Schweiz portiert und die Gründung des ersten hiesigen Technoparks in Zürich initiiert. Von Waldkirch engagiert sich nun bereits seit mehr als 20 Jahren für die Schweizer Startup-Szene.

Im Folgenden gibt es eine kurze Vorstellung der fünf Gründerpreis-Gewinner.

Abionic AG aus Lausanne: Biosensoren für einen Multimilliardenmarkt
abionic
Mit kleinen Biosensoren Krankheiten schnell und günstig entdecken – davon wird schon lange gesprochen. Nun hat die Lausanner Abionic einen funktionierenden Prototyp entwickelt. Er ermöglicht die Diagnose von Allergien noch in der Arztpraxis. 2013 soll das Gerät auf den Markt kommen. Dies soll aber erst der Anfang sein. Prinzipiell eignet sich die Technologie auch zur Diagnose sehr vieler weiterer Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs und Herzerkrankungen. Trotz seiner erst 28 Jahre besitzt der Preisträger Nicolas Durand und CEO von Abionic grosse Erfahrung. So gründete er mit vierzehn bereits seine erste Firma. Ausserdem weiss der promovierte Nanotechnologe, wie man einen Preis entgegennimmt: Acht Gründerpreise hat er mit der Abionic schon abgeräumt, u.a. auch venture kick im letzten Jahr. Durand hat die ganze Klaviatur des venturelab-Programms besucht, vom Semesterprogramm venture challenge bis hin zu den Intensiv-Workshops venture plan und venture training und hat im letzten Jahr als venture leader am 10-tätigen Business-Development-Programm in Boston teilgenommen.

GetYourGuide aus Zürich: Weltweit erfolgreiche Internetfirma aus Zürich
getyourguide
Mehrere Tausend Ausflüge, Führungen und Events buchen Reisende jeden Monat über das Internetportal GetYourGuide.com. Grund für den Erfolg: Das Portal bietet den Nutzern ein umfassendes Angebot und den Veranstaltern attraktiven Service bis hin zur Abrechnung der Buchungen. Die Wachstumsrate des erst Anfang 2010 operativ gestarteten Portals ist dementsprechend hoch. Partnerschaften mit Portalen wie TripAdvisor sorgen dabei für zusätzlichen Schub. Für den eigentlichen Startschuss war der Semesterkurs venture challenge verantwortlich, in dem sich die späteren Gründer getroffen und gemeinsam die Businessidee entwickelt haben. Noch heute ist der Stamm des Gründerteams an Bord, wie der heutige Finanzchef Pascal Mathis und CEO Johannes Reck. Letzterer war 2010 als Gewinner von venture leader auch Teil der Schweizer Startup-Nationalmannschaft.

Malcisbo aus Zürich: Impfstoff für das Grillfest ohne Reue
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Für Poulets ist das Bakterium namens Campylobacter ungefährlich. Doch beim Menschen löst es eine Magen-Darm-Infektion aus. Jedes Jahr infizieren sich allein in der Schweiz rund 8000 Menschen mit Campylobacter-Bakterien. Die Schäden sind immens, allein schon weil die Patienten viele Tage nicht arbeiten können und teilweise hospitalisiert werden müssen. Malcisbo will mit einem günstigen Impfstoff für Masthühner das Problem an der Wurzel bekämpfen. Die Preisträgerin Irene Schiller verfügt wie die anderen Mitgründer von Malcisbo über reichlich Erfahrung und über ein ausgedehntes internationales Netzwerk. Die 45-jährige Veterinärmedizinerin hat schon mehrere Jahre bei der Veterinärdiagnostik-Firma Prionics gearbeitet und ist nun seit einigen Jahren hauptsächlich für das Bundesamt für Veterinärwesen tätig. Die venturelab-Alumni hat bei venture plan und venture training teilgenommen und wurde dieses Jahr als venture leader ausgezeichnet. Neben dem hat Malcisbo schon „Winner-Erfahrung“ und war z.B. schon bei venture kick und dem Swiss Technology Award erfolgreich.

Skybotix aus Zürich: Nützliche Helfer in der dritten Dimension
skybotix
Die ETH Zürich zählt zu den weltführenden Hochschulen auf dem Gebiet der Flugrobotik. Skybotix, ein Spin-off-Unternehmen der ETH um CEO Samir Bouabdallah, macht sich dieses Wissen zunutze und entwickelt einen Kleinsthelikopter, der selbständig und zentimetergenau navigieren kann. Die «FlyboX» soll künftig mit Sensoren bestückt werden und gefährliche Erkundungsmissionen durchführen. Als Kunden peilen die Gründer Gebäudeinspektoren, Polizei und Feuerwehr an. Der 25-jährige Preisträger Sammy Omari hat in Münchenstein bei Basel das Gymnasium besucht und an der ETH Maschinenbau studiert und ist nun bei Skybotix als Chief Technical Officer (CTO) für die Entwicklung der Software zuständig. CEO Samir Bouabdallah hat das professionelle Unternehmerhandwerk während eines Semesters mit venture challenge gelernt.

ViSSee aus Lugano: Revolutionärer Tacho auf dem Mikrochip
vissee
Firmen aus der Automobilindustrie, der Medizinaltechnik oder der Unterhaltungsbranche stehen Schlange beim Tessiner Jungunternehmen ViSSee. Der Grund: Die Preisgewinner Nicola Rohrseitz und Valeria Mozzetti entwickeln einen neuartigen Temposensor. Der Tacho liest das Tempo nicht an der Drehung einer Achse ab, sondern wertet die Raum–Zeit-Veränderungen in seinem Sichtfeld aus. Möglich macht es eine patentierte Kombination von Fischlinse und Datenverarbeitung. Valeria Mozzetti, 31 Jahre, ist gebürtige Tessinerin und hat an der ETH Zürich Lebensmittelwissenschaft studiert und in Biotechnologie doktoriert. Ihr Partner Nicola Rohrseitz, 32, studierte an der ETH Lausanne Robotik und doktorierte anschliessend an der ETH Zürich in Physik. Das professionelle Unternehmer-Know-How mit Hang zur erfolgsorientierten Marktreife bekam er von venture plan eingeimpft.

Nicht ganz nach oben geschafft, aber mit der Möglichkeit zum ersten Mal beim Gründerpreis auch ihre Geschäftsidee dem Publikum vorzustellen, hatten es die Nominierten des Gründerpreises, auch allesamt aus dem Venturelab-Kreis.

Das Lausanner ETH-Spin-off Attolight hat eine Filmkamera für die Nanowelt erfunden, mit der es möglich ist exakt zu dokumentieren, was in winzigen Nanostrukturen abläuft. Damit kann zum Beispiel gezeigt werden, wie sich Elektronen innerhalb von Laserdioden oder LEDs bewegen oder was für Prozesse in Solarzellen ablaufen.

Das Jungunternehmen CAScination AG aus Bern mit CEO Matthias Peterhans entwickelt zusammen mit den Professoren Stefan Weber (Universität Bern) und Daniel Candidas (Inselspital Bern) mit CAS-One ein Navigationssystem für die Leberchirurgie. Das erleichtert den Chirurgen die Arbeit und erhöht bei Krebspatienten mit Metastasen in der Leber die Heilungschancen.

Compliant concept AG aus Dübendorf, einem Spin-off-Unternehmen der Empa und der ETH, hat ein «intelligentes» Bett für bettlägerige Patienten entwickelt, das die Bewegungen eines gesunden Menschen während des Schlafs imitiert und damit die Entstehung von schmerzhaften Druckgeschwüren (Dekubitus) verhindert.

Der Materialwissenschaftler Andreas Keller hat mit dem Trompetenbauer Werner Spiri und ihrem Startup daCarbo aus Lachen den kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff für die Herstellung von Blasinstrumenten entdeckt. Die im High-End-Segment angesiedelten Carbon-Trompeten sind leichter zu spielen und haben einen warmen, vollen Klang.

PainHawk aus Zürichstellt ein Online-Tagebuch für Schmerzpatienten zur Verfügung, denn mittlerweile leidet bald jeder fünfte Erwachsene in Europa an chronischen Schmerzen leidet. Die Patienten können Ärzten einen Zugang zu ihrem Tagebuch verschaffen oder sich auch mit anderen Betroffenen austauschen.

Der Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft steigert Innovationskraft sowie Produktivität und führt zu Wirtschaftswachstum. Das erkannte schon früh Thomas von Waldkirch, der Pionier des Schweizer Technologietransfers. Als Leiter der Stabsstelle für Forschung an der ETH Zürich initiierte er schon 1985 die Idee eines Technologieparks als sichtbares Zentrum des Technologietransfers. 1993 konnte von Waldkirch als Direktor der Stiftung Technopark Zürich im ehemaligen Industriegebiet in Zürich-West die erste Brutstätte für Hightech-Startups in der Schweiz eröffnen. Heute gibt es Technoparks im Aargau, in Lugano, Luzern, Winterthur, Schlieren und Zürich, die in der von Thomas von Waldkirch geleiteten Technopark-Allianz zusammengeschlossen sind. Über eine Technologietransferstelle verfügen heute praktisch jede Hochschule und auch jede Fachhochschule.

Seit 1987 fördert die W.A. de Vigier Stiftung “>W.A. de Vigier Stiftung Jahr für Jahr innovative und zukunftweisende Geschäftsideen mit einem Förderpreis von je Fr. 100’000.-. Nebst diesem Startkapital erhalten die Preisträger auch immaterielle Unterstützung; etwa in Form von wertvollen Kontakten, Medientrainings sowie Präsenz in Presse, TV und Radio. Die W.A. de Vigier Stiftung versteht ihr Engagement als Beitrag zu einer wettbewerbsstarken und gesunden Schweizer Wirtschaft.

Visual Speed Sensors Innovation

Vissee ist ein visuelles Sensorsystem zur Geschwindigkeitsmessung. Aufgrund seiner geringen Grösse hat es ein grosses Einsatzfeld, so kann es beispielsweise von Sportlern mitgeführt werden oder dem Bremssystem in Motorfahrzeugen assistieren. Der Zugriff auf die Daten des Sensors soll mobil per Smartphone oder per Ipad möglich sein, um die Anwendungsmöglichkeiten zu erhöhen. Das System würde von Unternehmen ViSSee s.a.g.l. aus Lugano, einem ETH Zürich Startup enwickelt. Die Prinzip für ihren tragbaren visuellen Sensor haben die Gründer und Erfinder Nicola Rohrseitz und Valeria Mozzetti jemand sehr kleinem abgeschaut. Für seine Doktorarbeit hat sich Nicola nämlich mit der Flugkontrolle von Fruchtfliegen beschäftigt. In einem Windkanal überwachte er ihr Verhalten und analysierte ihre Verabeitung von optischen Reizen. Dabei hatte er die Idee, ihr Prinzip der Signalverarbeitung nachzubauen. Die Erfindung ist bereits Patentrechtlich geschützt.

Ergebnis der Forschung und Entwicklung war die Technologie für einen tragbaren Sensor, der optisch Geschwindigkeit messen kann. Vorteile der Technik von Vissee sind laut Nicola der geringe Stromverbrauch und die grössere Genauigkeit, verglichen mit einem GPS oder Beschleunigungssensoren.

ViSSEE

Andere Einsatzmöglichkeiten sind in der Videospiel Industrie,Allroundsensor für Fitnessgeräte, der Luftfahrt und viel mehr.

ViSSee gewann 2009 den IMD MBA start-up competition Preis und Ihre Idee wurde gekrönt als eine von den 10 besten von Venture 2010.